"Gegen das, was die Verleger mit dem Web vorhaben, ist Googles Macht (bei aller gelegentlich berechtigten Kritik) ein Segen."
Eine kämpferische Auseinandersetzung mit Frank Schirrmachers Gedanken über das Web ("Mein Kopf kommt nicht mehr mit"
.
Über Worte als Ware versus Worte als Wahrheit.








Zunächst lässt Schirrmachers Ehrlichkeit mich aufhorchen: Gibt hier jemand zu, dass er überfordert ist, während alle anderen tapfer herumwurschteln, sich durch Mailfluten und Berge von e-papers quälen und nicht wissen, wo Sie beim Schlürfen ihrer Latte-to-go noch das Handy hinklemmen sollen? Keine Frage, Information kann zur Plage werden, kann sogar süchtig machen, aber ein "Zurück auf die Bäume" kann die Alternative nicht sein. Information macht mündig und abhängig zugleich. Vielleicht ist das Wissen um den begrenzten Wert von Information und ihre oft erschreckend kurze Halbwertzeit bereits ein erster Schritt zum bewussteren und effizienteren Umgang mit ihr. Vor allem ein neuer "Mut zur Lücke", zum parziellen oder temporären Informationsdefizit könnte es allen Schirrmachers der Republik leichter machen. Längst heißt es in Fernseh-Quizshows nicht mehr entschuldigend: "Das habe ich in der Schule aber so nicht gelernt!", sondern "Bei Wikipedia steht das aber anders!". Nicht die Quantität der Informationen ist das Problem, sondern die Qualität. Wir haben die Herrschaft über die Informationsbeschaffung und -auswahl abgegeben und wundern uns jetzt, wenn wir uns wie fremdbestimmt fühlen. Jeder PC hat die Möglichkeit, ihn herunterzufahren, jedes Mailprogramm kann man schließen, jedes Handy ausschalten. Wir müssen nur die Angst verlieren, etwas zu verpassen ...
Wie schade, dass von fast allen Kommentatoren rund um die Schirrmacher-Äußerungen nur dieser Information-Overflow-Aspekt aufgegriffen wird! Dabei ist das, was Schirrmacher weiter verzapft hat, viel origineller, abgefahrener, kritikwürdiger.
Aber anscheinend mag kaum jemand so einen Artikel (der sich mit dem GANZEN SPON-Beitrag "mein Kopf kommt nicht mehr mit" auseinandersetzt) wirklich durchlesen, man kommt also gar nicht erst zum richtig wichtigen Teil, der in diesem Fall von der "Berechenbarkeit" des Menschen handelt, von Googles Macht, von der "Selbstausbeutung" der Teilnehmer an sozialen Medien und vom unterschiedlichen Verständnis "Wort als Ware / Wort als Wahrheit".